Tannöd von Andrea Maria Schenkel
Ein heftiger Sturm tobt, als eines Nachts die gesamte Familie Danner auf ihrem Hof mit einer Spitzhacke ermordet wird. Unter ihnen auch zwei Kinder. Die Tragödie ereignet sich in den 1950er Jahren mitten in der bayrischen Provinz. Der Hof der Danners liegt etwas außerhalb vom Rest der Gemeinde Tannöd und dieser Umstand ist auch bezeichnend für die Familie, die nicht dazugehörten – Außenseiter, Eigenbrötler waren.
Es ist Andrea Maria Schenkels erster Roman. Auf ungewöhnliche Weise beschreibt sie die Tat und die Reaktionen der Dorfgemeinde. Zum einen schildert Schenkel die Mordnacht aus der allwissenden Erzählerperspektive, zum anderen gewährt sie durch das Einstreuen von Zeugenberichten der Dorfbewohner einen Einblick in ein bayrisches Provinz-Soziotop.
Das Buch gewann neben anderen Auszeichnungen 2007 auch den deutschen Krimipreis. Zwar wird durch die abwechselnden Perspektiven ein Spannungsbogen aufgebaut, der bezeichnend für Kriminalgeschichten ist. Auch die Tatsache, dass hier ein Verbrechen begangen und zum Schluss auch ein Mörder „präsentiert“ wird lässt natürlich auf einen Krimi schließen. Dennoch sind die Sichtweisen der Dorfbewohner so dominant, dass das Buch fast einer Sozialstudie gleichkommt.
Mit seinen 171 Seiten ist das Buch schnell durchgelesen. Länger dürfte es jedoch auch nicht sein, da die Geduld des Lesers durch die ständige Neueinführung von Charakteren und die kontinuierliche Unterbrechung der Haupterzählung auf eine harte Probe gestellt wird.
Ich muss zugeben, dass ich durch die große Aufmerksamkeit der Medien auf dieses Buch und die vielen guten Kritiken und Preise hohe Erwartungen hatte. Diese wurden leider nicht erfüllt. Was in Erinnerung geblieben ist, ist die ungewöhnliche Erzählperspektive und ein plumpes Ende.
Andrea Maria Schenkel, btb Verlag, München, 2006
(Bodil Mertens)